Niedrigwasserereignisse im Elbegebiet: Das Niedrigwasser im Sommer / Herbst 1904

Hydrometeorologische Situation

Eine ungewöhnliche Regenarmut stellte sich in den Einzugsgebieten der Weichsel, Oder und Elbe von Mitte/Ende Mai 1904 bis Ende August 1904 ein. Anhaltende Hochdruckwetterlagen insbesondere im Juli behinderten den Transport atlantischer Feuchtluft in das Binnenland und gingen einher mit einer erhöhten Sonnenscheindauer und über dem Mittel liegenden Temperaturen. In den Monaten Juni, Juli und August fielen im Elbegebiet weniger als die Hälfte der gewöhnlichen Niederschlagsmenge, in Teilgebieten sogar weniger als ein Viertel. An der Station Magdeburg wurden folgende Niederschlagshöhen (in mm) erfasst: Juni (40,5) Juli (5,4) August (8,1) September (37,4).

Ablauf des Niedrigwassers

Durchflussverlauf Niedrigwasser 1904
Abb. 1: Durchflüsse (Tageswerte: 1.7. bis 1.10.1904) an ausgewählten Elbepegeln

An den Pegeln Dresden, Barby, Wittenberge und Darchau befanden sich die Durchflüsse von Mitte Juli 1904 bis Mitte Oktober 1904 (Mitte September 1904 [Dresden]) unterhalb des mittleren niedrigsten langjährigen Durchflusses (MNQ). Die gesamte Elbe und ihre Nebenflüsse waren vom Niedrigwasser betroffen. Am Pegel Darchau wurde am 1.9.1904 der niedrigste Wert der ab 1874 vorliegenden Datenreihe der Durchflüsse registriert.
Zeitgenössischen Berichten ist zu entnehmen, daß der Wasserstand der Elbe so niedrig war, daß es an vielen Stellen möglich war, hindurchzuwaten.

Schadensbilanz

Niedrigwasser Juli 1904, Dresden (Elbe)
Abb. 2: Niedrigwasser der Elbe im Juli 1904 in Dresden. Foto: Sammlung M. Deutsch, Erfurt

Aufgrund der niedrigen Wasserstände mußte der Schiffsverkehr auf der Elbe ab Mitte Juni eingeschränkt und ab Mitte Juli eingestellt werden. Der Ernteertrag von Kartoffeln und Heu war deutlich geringer als in den Vorjahren.
- weitere Informationen werden recherchiert -

Stoffliche und hygienische Belastung

R. Kolkwitz und F. Ehrlich stellten bei einer Elbebereisung vom 9. bis 18. August 1904 trotz des außergewöhnlich niedrigen Wasserstandes "keine sich auf sehr weite Entfernungen erstreckende ernstliche Verschmutzung" fest. Die Abwässer von Dresden machten sich unterhalb der Einleitung meilenweit bemerkbar, ebenso die Abwässer der Stadt Dessau. Der Chloridgehalt der Elbe, der vor der Einmündung der Saale 14 mg/l betrug, stieg nach dem Zufluß auf 823 mg/l (resultierend aus Einleitungen der Kaliindustrie in die Saale und deren Nebenflüsse), im weiteren Verlauf der Elbe sanken die Chloridwerte (durch Verdünnung durch weitere Zuflüsse) bis auf 310 mg/l bei Lauenburg.
R. Volk ermittelte bei Probenahmen oberhalb und unterhalb des Hamburger Stadtgebietes im September 1904 einen (gegenüber dem Vergleichsjahr 1905) erhöhten Chloridgehalt und eine Aufkonzentration gelöster organischer Stoffe. An beiden Messstellen war der Sauerstoffgehalt hoch, an der oberhalb Hamburgs gelegenen Messstelle wurde eine Sauerstoffsättigung von mehr als 100 % nachgewiesen.

Quellen, Literatur, Berichte

  • Volk, R. (1906): Studien über die Einwirkung der Trockenperiode im Sommer 1904 auf die biologischen Verhältnisse der Elbe bei Hamburg. (Hamburgische Elb-Untersuchung VIII), In: Mitteilungen aus dem Naturhistorischen Museum, Hamburg, Bd. 23.
  • Hellmann, G. (1907): Ergebnisse der Niederschlags-Beobachtungen im Jahre 1904. Veröffentlichungen des Königl. Preußischen Meteorologischen Instituts.
  • Kolkwitz, R. & Ehrlich, F. (1907): Chemisch- biologische Untersuchungen der Elbe und Saale. In: Mitteilungen aus der Königl. Prüfungsanstalt für Wasserversorgung u. Abwässerbeseitigung zu Berlin, Heft 9, 1907.
  • Preußische Landesanstalt für Gewässerkunde (Hrsg.) (1909): Jahrbuch für die Gewässerkunde Norddeutschlands. Abflußjahr 1904.
  • Königlich Preußisches Statistisches Landesamt (Hrsg.) (1913): Statistik der Landwirtschaft (Anbau, Saatenstand, Ernte und Wasserschäden) im preußischen Staate für das Jahr 1911. - Preußische Statistik 230. Eigenverl.: I-LII, 1-26, Berlin
  • Hübner, G. & Schwandt, D. (2010): Wasserbeschaffenheit bei extremem Niedrigwasser - eine Langzeitbetrachtung zur Elbe - Poster. Tag der Hydrologie, 25./26. März 2010, Braunschweig